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Verlag Angelika Hörnig

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Welcher Bogen für welchen Zweck?

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Bogen? Und was ist für mich der richtige?

Zunächst müssen wir einmal die drei grundlegend verschiedenen Bogentypen unterscheiden:
  1. Langbogen: Die ursprünglichste und einfachste Bogenform. Der Bogen ist mehr oder weniger gerade, die Sehne schwingt frei zwischen den Nockkerben. Man kann auch hier nach der Bogenform Untertypen unterscheiden:
    • Langbogen: etwa mannshoch, gerade, schmal-hoher Wurfarm-Querschnitt. Beispiel: Englischer Langbogen
    • Flachbogen: kürzer, Wurfarme flach-breit, abgesetzter Griff, kann auch reflex-deflex sein. Beispiel: Indianerbogen
  2. Recurve: Die Wurfarme sind am Ende deutlich zum Ziel hin gekrümmt oder geknickt. Dadurch liegt die Sehne oben und unten ein Stück weit an den Wurfarmen an und wird erst beim Ausziehen des Bogens ganz frei. Auch hier gibt es unterschiedliche Bauformen:
    • ·einteilig
    • ·dreiteilig (ein großes Mittelteil mit zwei austauschbaren Wurfarmen)
  3. Compound: Eine moderne Bogenvariante, die an das Flaschenzugprinzip erinnert, bei der aber die Bogensehne und die Kabel über exzentrische Umlenkrollen geführt werden. Diese wirken wie Hebel und verändern dabei den Angriffswinkel und Hebelarm, während die Kabel die beiden Wurfarme zueinander ziehen, sodass man immer im effektivsten Bereich arbeiten kann. Außerdem wird so das volle Zuggewicht schon sehr früh erreicht, und der Schütze muss deshalb im vollen Auszug nur noch einen kleinen Teil der Zugkraft halten. Hier gibt es viele verschiedene Modelle, die sich geringfügig voneinander unterscheiden, und alle paar Monate wieder etwas neues, weshalb wir hier keine weitere Unterscheidung machen.

Langbogen und Recurvebogen werden auch nach Material und Bauart unterschieden:

  • Selfbogen bestehen aus einem einzigen Stück Holz
  • Aus Naturmaterialien zusammengesetzte Bogen, z.B. ein Holzbogen mit Bambus-Backing, oder der klassische asiatische Horn-Holz-Sehnen-Kompositbogen
  • mit modernen Materialien (Glasfaser oder Karbon) zusammengesetzte Bogen werden oft als laminierte Bogen bezeichnet

Manchmal wird ein Bogen nach seinem eigentlichen Einsatzzweck bezeichnet:

  • Reiterbogen
  • Jagdbogen
  • Scheibenbogen etc.

Diese Unterscheidungen sind allerdings ungenau und fragwürdig, weil prinzipiell jeder Bogen für jeden Einsatzzweck verwendet werden kann, nur eben unterschiedlich gut. Ein Reiterbogen muss z.B. nicht automatisch ein kurzer einteiliger Recurvebogen sein, auch mit dem extra langen japanischen Bogen wurde vom Pferd geschossen, gejagt und Krieg geführt. Er war und ist also gleichzeitig Reiterbogen, Jagdbogen, Sportbogen etc.

Man kann die Bogen auch nach Zubehör und Ausstattung unterscheiden, z.B. in:

  • Blankbogen (also ohne Zielhilfen) oder Visierbogen
  • Bogen, die mit den Fingern gezogen, oder die mit einem Release (mechanisches Lösegerät) geschossen werden
  • Bogen mit Schussfenster und Pfeilauflage (eine kleine bis große Aussparung im Griffbereich), oder der Pfeil liegt ganz traditionell direkt auf der Bogenhand.

Manchmal wird unterschieden zwischen Traditionell und Modern, wobei die Definition für Traditionell wiederum ganz unterschiedlich ausfallen kann (ein endloses Feld für Diskussionen):

  • Nur Bogen aus Naturmaterialien und ohne Pfeilauflage sind traditionell
  • Auch Bogen aus modernem Material sind traditionell, wenn sie den alten Bogentypen ähneln und ohne weitere Hilfsmittel im traditionellen Stil geschossen werden.

Im sportlichen Wettkampf wird es noch etwas komplizierter, denn da müssen wir die Bogen nach den Stilarten unterscheiden. (Diese Stilarten werden auch oft Bogenklassen genannt. Das darf man aber wiederum nicht verwechseln mit den Altersklassen, die es innerhalb der einzelnen Stilarten gibt.) Diese Stilarten werden von den verschiedenen Bogensport-Verbänden im jeweiligen Regelwerk definiert. Und dabei geht es nicht nur um die Zuordnung

  • nach Bogentypen, sondern auch
  • nach dem Material (z.B. Historic Bow)
  • nach der Ausstattung und dem Zubehör (z.B. Freestyle limited oder unlimited)
  • nach der Schieß- bzw. der Zieltechnik (z.B. Barebow oder Bowhunter).

Ein Recurvebogen kann also durchaus in verschiedenen Stilarten zum Wettkampf antreten, und was in einem Verband ein Blankbogen ist, gilt in einem anderen Verband vielleicht noch lange nicht als Barebow.

Auch gibt es je nach Veranstalter manchmal unterschiedliche Begriffe für Bogenarten, die eigentlich alle das Gleiche meinen, wie z.B. „Holzbogenklasse“, „Primitive Bows“, „Naturbogen“ und „Historic Bows“. Hier muss man sich bei den Verbänden und Vereinen genau erkundigen, was gemeint ist.

Dann kann man das Bogenschießen wiederum nach der Art der Ausübung unterscheiden, wo und wie es betrieben wird:

  • Im Freien oder in der Halle
  • Auf immer gleiche Distanzen (FITA) oder frei im Gelände (Feldbogenschießen)
  • Mit sportlichem Ehrgeiz oder als Freizeitvergnügen
  • Interessiert an der Vergangenheit oder fasziniert von Technik und Leistung
  • Als Familiensport am Wochenende oder als ruhigen Selbstfindungsweg

Die meisten dieser Dinge kann man mit jedem Bogentyp machen, aber es gibt natürlich auch Einschränkungen: Zum Beispiel wird man auf Mittelalterturnieren mit dem Compound nicht teilnehmen können, und Kyudo macht man natürlich mit dem japanischen Bogen.

Jetzt ist die Verwirrung sicherlich groß: Welchen Bogen soll ich denn jetzt schießen? Hier unser Tipp: In den Vereinen, bei Bogenhändlern, auf den verschiedenen Turnieren und Veranstaltungen umschauen, mitmachen, ausprobieren, und dann einfach den Bogen nehmen, von dem man magisch angezogen wird. Es dürfte recht unwahrscheinlich sein, dass ein Technikfreak, der mit Begeisterung an seinem Compound herumschraubt, sich auch auf Mittelalterturnieren wohl fühlt, oder dass ein alter Indianer und Waldläufer an einem Hightech-Recurve mit Alu-Mittelteil, Visier, Stabi-Spinne und Wasserwaage seinen Spaß hat. Also dürfte die Entscheidung eigentlich nicht schwer fallen. Und außerdem: Man kann ja auch beides machen, oder?

Vor dem Kauf sind dann aber noch zwei wichtige Dinge zu beachten:

  • Der Bogen darf auf keinen Fall zu stark („schwer“) sein, das Zuggewicht des Bogens soll auch nach einem ganzen Turniertag noch genauso locker zu bewältigen sein, wie zu Beginn. Grobe Empfehlung für den Anfang: Frauen 25 pounds / 11 kg, Männer unter 40 pounds / 18 kg.
  • Bei Bogen mit Schussfenster ist darauf zu achten ob sie für Rechtshänder sind, die rechts ziehen, also den Bogen in der Linken halten, oder für Linkshänder, die links ziehen, also den Bogen in der Rechten halten. Unter den bewusst zielenden Bogenschützen gibt es allerdings einige, die von dieser Regel abweichen und sich nicht an ihrer Rechts- oder Linkshändigkeit orientieren, sondern daran, welches Auge das dominierende ist, also den Zielvorgang übernimmt.