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Verlag Angelika Hörnig

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Ich kriege beim Bogenschießen blaue Flecken auf den Arm. Und außerdem tut mir der Ellbogen weh.

Ein typisches Anfänger-Problem, und besonders bei Frauen häufig zu beobachten. Einfach einen Armschutz anziehen ist nicht immer die beste Lösung. Deshalb hier ein paar grundsätzliche Tipps:

Den Bogenarm ganz durchdrücken ist schlecht! Jeder Bogen produziert beim Abschuss einen sogenannten Handschock, d.h. er schlägt, ruckt in der Hand. Dieser Schlag muss elastisch abgefangen werden, sonst bekommst du auf die Dauer Probleme mit Hand-, Ellbogen-, Schultergelenk oder Nacken. Das ist je nach Bogen schwach bis heftig und geht bei jedem Menschen an seine persönliche Schwachstelle. Ein durchgedrückter Ellbogen (eingerastetes Gelenk) wird dir relativ schnell weh tun!

Also muss der Arm leicht angewinkelt werden, damit der Handschock elastisch abgefangen werden kann, aber das verlangt ein Minimum an Kraft. Vielen Anfängern ist der Bogen zu stark, die Kraft fehlt, und der Ellbogen wird dann ganz durchgedrückt. Du musst jetzt aber nicht bewusst den Arm anwinkeln, das wäre erstens bestimmt mehr als notwendig, und zweitens selten immer gleich. Es genügt völlig, wenn du den Ellbogen deines Bogenarms nach außen drehst. Probiere das mal an der Wand aus. Drücke mit deiner Faust gegen die Wand als wäre sie dein Bogen. Dein Ellbogen ist ganz durchgedrückt, deine Ellbogenspitze deutet nach schräg unten. Jetzt drehst du deinen Arm einfach so weit, dass die Spitze deines Ellbogens nach außen zeigt. Damit kommst du automatisch aus der Durchstreckung des Gelenks heraus, mehr Beugung als jetzt muss nicht sein und fordert auch nicht all zu viel Kraft. Dein Unterarm und dein Oberarm haben jetzt auch mehr Abstand zum Bogen bzw. zur Sehne, vielleicht berührt sie schon jetzt deinen Arm nicht mehr, wenn sie nach vorne schnellt. Zumindest der Oberarm sollte jetzt aus dem Weg sein, für den Unterarm gibt es ja Armschutze, die man sich anlegen kann.

Die Stellung deiner Hand am Bogen kann auch von großer Bedeutung sein. Erstens: fasse den Bogen da, wo er seine Mitte hat (wo die Kräfte oben und unten gleich sind), sonst tanzt er dir in der Hand und schlägt dich. Dazu gehört aber auch die richtige Stellung des Nockpunktes bzw. dein Griff an der Sehne. Das alles lässt sich geringfügig variieren.
Zweitens: Viele Leute haben den Druckpunkt (da wo du den Druck des Bogens in der Hand spürst) unten auf dem Handballen liegen. Das ist im Prinzip in Ordnung, aber da kann man auch noch etwas variieren oder auch ganz anders zupacken. Z. B. den Druckpunkt mehr auf die Daumenseite das Handballens, auf den großen Daumenmuskel, legen. Damit kommen Hand und Arm noch etwas mehr von außen in den Bogen, der Abstand zur Sehne wird noch größer. Oder du verlagerst den Druckpunkt des Bogens weg von Handballen nach oben in die Beuge zwischen Daumen und Zeigefinger. Dadurch streckt sich auch dein Handgelenk etwas. Ich finde diese Bogenhaltung für das Handgelenk viel besser, weil natürlicher und entspannter, da hierbei das Handgelenk wird nicht so stark abgeknickt wird. (Stell dir das mal als Fauststoß vor: ein abgeknicktes Handgelenk würdest du dir beim Boxen sofort verstauchen, ideal wäre dafür, wenn Handrücken und Unterarm eine Linie ohne Knick bilden.) Wenn du mit deinem Zeigefinger irgendwo hin deutest, wie steht da dein Handgelenk? Beim Bogenschießen deutest du ja mit der Bogenhand ja auch auf dein Ziel. Probier da einfach mal etwas herum, bis du dich mit einer Stellung wohlfühlst.

Letzter Punkt wäre der Abstand der Sehne vom Bogengriff, wenn der Bogen aufgespannt, aber nicht ausgezogen ist, der sog. Sehnenstand. Da die Sehne beim Schießen etwas nach vorne durchschwingt, bevor der Pfeil sich löst, kommt sie ziemlich dicht an dein Handgelenk / deinen Unterarm heran. Wenn der Sehnenstand höher ist, natürlich nicht so nah als bei niedrigem Sehnestand. Theoretisch kann man also die Sehne so weit verkürzen, dass die Sehne mehr Abstand von Griff bekommt. Dadurch wird auch die Vorspannung des Bogens etwas höher und das Durchschwingen der Sehne weniger. Allerdings bekommt der Bogen beim Ausziehen auch noch mehr Stress. Wenn man es da übertreibt, hat man den Bogen schnell überzogen und er fliegt dir entweder um die Ohren oder er verliert auf immer seine Kraft. Ich wäre da sehr vorsichtig (Herstellergarantie!) wenn du daran etwas ändern möchtest, vielleicht solltest du den Sehnenstand nicht mehr als ein paar Millimeter erhöhen.

VA