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Verlag Angelika Hörnig

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Wie trockne ich mein Bogenholz?

Holztrocknung ist eigentlich ein Kapitel für sich, da ließe sich eine Menge schreiben, und man kann sich dabei auch eine Menge Arbeit machen: Rohlinge dämpfen, Trockenkiste bauen, Holzfeuchtemessgerät kaufen etc., aber es geht eigentlich auch ganz einfach, wenn man etwas Geduld hat.

Punkt 1: Frisch geschlagenes Holz ist sehr nass, wenn es zu schnell trocknet, reißt es meistens an den falschen Stellen und wird zum Bogenbau unbrauchbar. Besorge dir lieber beim Schreiner oder so ein Stück deiner Wahl. Dieses Holz ist dann auch schon halbwegs trocken. Nicht jeder kann mit Motorsäge und Autoanhänger aufwarten, und man muss ja nicht einen ganzen Baum fällen, nur um an ein Stück Bogenholz zu kommen.

Punkt 2: Arbeite aus diesem Holz deinen Bogen als Rohform heraus. Es sollte wie ein richtiger Bogen aussehen, aber alles noch mit Übermaß, die Wurfarme lass noch etwas breiter als das angestrebte Endmaß. Falls sich das Holz beim Trocknen verzieht, bleibt so noch Spielraum zu Ausgleichen. Noch nicht biegen! Jetzt ist dein Holz wesentlich dünner als vorher und trocknet darum auch schneller.

Punkt 3: Die optimale Holzfeuchte für Bogenholz liegt bei rund 8 Prozent. Diesen Wert bekommst du hier zu Lande witterungsbedingt nicht hin. Aber eine zentralbeheizte Wohnung im Winter schon! Lasse deinen Rohling doch einfach über Winter auf dem Wohnzimmerschrank liegen, und mach ihn im Frühjahr schussfertig. Ein warmer Heizungskeller ist bestimmt auch ein guter Ort, um die endgültige Trocknung zu beschleunigen, aber ungeeignet für noch nasses Holz (Rissbildung). Jetzt hat und behält das Holz seine volle Biege-Energie, wenn du alles (!) andere richtig gemacht hast.

Punkt 4: Biege nur gut getrocknetes Holz! Lass dir Zeit, geh nur an das Holz, wenn du dich gut fühlst, lass dem Holz Zeit, sich Stück für Stück an die Belastung zu gewöhnen, lasse es nicht tagelang im feuchten Werkraum, sondern nimm es wieder mit in die warme Wohnung. Und: vertraue deinen Gefühlen, nicht dem Rechenschieber. Die meisten Bögen gehen nicht beim Schießen kaputt, sondern beim Tillern! Mit kaputt meine ich nicht, dass dir die Brocken um die Ohren fliegen, sondern eine krumme Gurke mit viel Handschock und wenig Power. Das wäre doch schade für das schöne Holz.

Punkt 5: Das getrocknete Holz zieht aus der Umgebungsluft natürlich wieder Feuchtigkeit an. Eine gute Oberflächenversiegelung des fertigen Bogens verlangsamt diesen Prozess so weit, dass ein Regentag draußen problemlos durch eine trockene Lagerung zu Hause wieder ausgeglichen wird.

Punkt 6: Am meisten lernt man aus seinen eigenen Fehlern. Also nur Mut!

VA