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Verlag Angelika Hörnig

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Was ist geeignetes Bogenholz? Und wie muss ich es verarbeiten?

Hier sollen erst einmal ein paar gerne verwechselte Begriffe geklärt werden.

Ob ein Holz ringporig oder zerstreutporig ist, sagt nichts darüber aus, dass man hier immer den obersten Jahresring direkt unter der Rinde als Bogenrücken nehmen muss. Bei geeigneten Hölzern kann man das tun, das spart sehr viel Arbeit, aber man kann natürlich auch einige der oberen Jahresringe entfernen, um auf gutes Holz zukommen.
Wichtig ist bei ringporigen Hölzern eigentlich nur, dass man den festen Spätholzteil des Jahresringes möglichst komplett stehen lässt, damit die unter Zugbelastung stehenden Holzfasern nicht verletzt werden. Das Frühholz ist für die Belastungen im Bogen viel zu schwach, es sollte deshalb nur sehr dünn gewachsen sein, der Spätholzanteil darf aber gern sehr breit sein. Dicke Jahrringe sind darum also in der Regel von Vorteil. Bestes Beispiel ist hier die Robinie: je breiter die Jahresringe, desto geringer ist der Anteil an sprödem Frühholz, desto besser hinterher der Bogen.

Ob ich den Bogen aus den obersten Jahrringen eines Stammes nehmen kann oder dafür auf tieferliegende Jahrringe zurückgreifen muss, hängt davon ab, ob der Baum zu den Kernholzbäumen, den Reifholzbäumen oder den Splintholzbäumen gehört. Bei Splintholzbäumen wie Bergahorn, Buche, Birke ist das Holz außen wie innen gleich, da kann man die äußeren Schichten nehmen. Bei Kernholzbäumen wie Robinie, Esche, Ulme ist das dunkle, harte Kernholz zu verwenden, also muss ich erst das oben liegende helle und weiche Splintholz entfernen. (Die Eibe ist auch hier wieder ein Sonderfall.) Reifholzbäume sind im Prinzip wie Kernholzbäume, nur eben einfarbig.

Grundsätzlich ist jedes Holz zum Bogenbau tauglich, das eine hohe Rückstellkraft entwickelt. Holz, das sich leicht biegen lässt, aber dann krumm bleibt, wird keinen Pfeil beschleunigen können. Alle weichen Hölzer wie Weide z.B. sind darum kaum geeignet, aber hartes Holz schon. Damit aber auch gutes Holz zu einem guten Bogen wird, muss es trocken sein, nasses Holz biegt sich gut, bleibt aber krumm und wirft schlecht (s.o.). Der Haselnussstecken aus unseren Kindertagen entwickelt sich zu einem ernst zu nehmenden Bogen, wenn man ihn vorher trocknen lässt. Ob das ausgewählte Holz dann auch die Biegebelastung aushält oder nicht (Brechen oder Schlappmachen), liegt am Design eures Bogens, nicht am Holz! Und darin liegt die Kunst: Aus fast jedem Holz lässt sich ein guter (!) Bogen bauen, wenn man weiß, wie. Grundsätzlich gilt: Je höher die Belastung (Auszugslänge und Zugstärke) und je schwächer das Holz, desto länger und breiter sollten die Wurfarme werden.

Die Qualitäts-Unterschiede können innerhalb einer Holzart stärker sein als die zwischen den verschiedenen Hölzern, versteift euch also nicht darauf, dass es unbedingt Eibe oder Osage oder XY sein muss. Das Holz sollte gleichmäßig gewachsen, gerade und astfrei sein, wenn es dann noch hart und trocken ist, liegt es nur noch an Euch. Also ran ans Holz und Erfahrungen sammeln ! Für weitergehende Informationen hinsichtlich Holzarten und Holzauswahl empfehle ich "Das Bogenbauerbuch".

Und nicht vergessen: Für jede Regel gibt es auch eine Ausnahme.

VA