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Verlag Angelika Hörnig

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Ich ziehe 30 Zoll beim Compound und will zum Langbogen wechseln.

Die wenigsten Langbogenschützen haben einen Auszug von 30 Zoll, die allermeisten ziehen 27 oder 28 Zoll. Wie du das handhabst, musst du einfach ausprobieren. Bei vielen Schützen verkürzt sich der Auszug beim Wechsel von Compound zu Langbogen allein schon deshalb, weil du beim Langbogen die volle Pfundzahl auf den Fingern hast. Und auch das Zuggewicht reduziert man deshalb meistens. Auch ändert sich oft die Körperhaltung etwas, z.B. der Ellbogen des Bogenarms leicht abgewinkelt. Da hilft nur ausprobieren, womit du dich wohl fühlst; jeder Schütze hat ja auch unterschiedlich lange Arme. Lange halten und zielen mag mit dem let-off beim Compound ganz bequem sein, aber beim Langbogen ist das sinnvollerweise auf ca. 1 Sekunde beschränkt. Welchen Schießstil willst du haben? Möchtest du deine Haltung im Bogen ändern, den Bogen schräg halten, mit fliegenden Anker schießen? Prinzipiell sind 30 Zoll schon o.k.: du stehst schön gerade im Bogen, der Ellbogen der Zughand steht genau in der Linie des Pfeils, die nötige Kraft wird unverkrampft aufgebracht und geradlinig abgegeben; und der Bogen entwickelt einen enormen Schub. Aber: die wenigsten Langbogen sind für diesen Auszug gemacht, sondern würden bei dieser "Behandlung" gleich ihren Geist aufgeben. Unbedingt darauf achten!!! Wenn du dir einen Langbogen zulegst, achte unbedingt auf die "Zulassung" für deine Auszugslänge, der Bogen wird dann vermutlich 68 Zoll lang sein.

Versuch doch mal probeweise einen Miet-Recurve aus, da kannst du über den Wurfarmwechsel auch die Pfundzahl regulieren. Der Recurve wäre als ein weicher Übergang zum Langbogen bestimmt nicht schlecht.

Wenn du gleich an einen reinen Holzbogen denkst: da sind 30 Zoll schon recht problematisch, der Bogen muss mindestens 68 bis 70 Zoll haben, perfekt getillert sein und aus einem Holz bestehen, das diese Belastung auch verkraftet. Osage wäre gut, ist bei dieser Länge aber recht schwer (ordentlicher Handschock). Den perfekten Tiller wirst du als Anfänger natürlich nicht hinkriegen, die schwächste Stelle im Bogen wird wahrscheinlich sofort nachgeben (weich werden oder Kompressionsrisse kriegen), aber dadurch kann man natürlich am besten lernen. Probier es vielleicht mal mit einem Stück Ulme, mannshoch, breiter Wurfarmquerschnitt, pyramidale Form, sehr schmale Nocken, ohne großartige Griffpartie (optimal, wenn du auf dem letzten Zoll Auszug eine leichte Bewegung im Griff wahrnimmst). Der Bogen wird vermutlich etwas stringfollow kriegen und nicht besonders schnell werden, aber mit etwas Glück 30 Zoll Auszug verkraften.

Mein Vorschlag: der Weg zurück zum Ursprünglichen sollte Schritt für Schritt erfolgen, denn die Umstellung ist schon enorm. Also erst mal Recurve, dann glaslaminierter Langbogen, dann Holzbogen.

VA